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Sozialhilfe – Biel stellt sich den Herausforderungen

(06.11.2017)

Mit beruflichen Integrationsmassnahmen im Bereich der alleinerziehenden Mütter reagiert die Stadt auf die hohe Scheidungsrate und schafft so Perspektiven. Der Kennzahlenbericht 2016 zeigt, dass in Biel die Sozialhilfequote zwar nach wie vor strukturell bedingt bei hohen 11.8% steht (Vorjahr 11.6%). Die Entwicklung ist damit trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld 2016 deutlich besser, als bei den anderen Schweizer Städten.

2016 waren das wirtschaftliche Umfeld und der starke Franken verantwortlich für eine gesamtschweizerisch erhöhte Arbeitslosenquote. Diese war in Biel mit bis zu über 6% besonders hoch. Dass die Seeländer Metropole im Städtevergleich in Bezug auf die Entwicklung in der Sozialhilfe 2016 gut dasteht, kann mit strukturellen Veränderungen nicht erklärt werden. Die Vielfalt der bereits ergriffenen Massnahmen in der Sozialhilfe scheint langsam zu greifen. Die jährliche Auswertung der analysierten 14 Städte zeigt auf, welche strukturellen Faktoren die Sozialhilfequote wesentlich beeinflussen:

Fehlende Grund- und Berufsbildung: In Biel haben über 60% der Sozialhilfebeziehenden keine Berufsbildung – dies betrifft auch jene Hälfte der Sozialhilfebeziehenden mit Schweizer Wurzeln. Biel setzt daher auf Frühförderung und die Modernisierung der Bildungslandschaft.

Fehlende Sprachkenntnisse: In Biel ist es auch bei Kenntnis einer Amtssprache schwierig, ohne die zweite Amtssprache beruflich Integriert zu bleiben. Für die Reintegration aus der Sozialhilfe ist dies eine zusätzliche Hürde, insbesondere für Migrantinnen und Migranten, welche nur eine Amtssprache und auch diese nur ungenügend beherrschen. Biel setzt deshalb auf den Spracherwerb, insbesondere bei Migrantinnen und Migranten und deren Kindern.

Alter: Der Kennzahlenbericht zeigt, dass mit zunehmendem Alter vor allem die Dauer der Sozialhilfeabhängigkeit steigt. Bildung und Nachholbildung wäre in der Phase vor 40 enorm wichtig. Viele haben später Mühe, das Verpasste nachzuholen.

Hohe Arbeitslosigkeit, konjunkturabhängiger Industriesektor und überdurchschnittliches Tieflohnsegment: Diese Faktoren spielen in Biel eine wesentliche Rolle für die schweizweit hohe Sozialhilfequote. Zudem begrenzt die tiefe Steuerkraft der Bevölkerung den Handlungsspielraum der Stadt.

Hohe Scheidungsquote und viele Alleinerziehende: Rund ein Drittel der durch Sozialhilfe unterstützten Personen in Biel sind Kinder und Jugendliche. In Biel gibt es zudem mehr Alleinerziehende als Andernorts in der Sozialhilfe. Diese wiederum sind im Schnitt älter als in anderen Städten und länger von Sozialhilfe abhängig. Hier setzt die Stadt mit Massnahmen an, zum Beispiel mit neuartigen Programmen zur beruflichen Perspektivenbildung und zur Klärung der Kinderbetreuung.

Anteil und Zusammensetzung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund: Die oben aufgeführten personalen Faktoren wirken sich bei der Migrationsbevölkerung verstärkt aus, mit entsprechenden Folgen für Biel mit seinem hohen Ausländeranteil.

Neue Wege und erste Erfolge für Alleinerziehende in der Arbeitsintegration
Neu hat das Bundesamt für Statistik die Haushaltsquoten errechnet, also den Anteil an Haushaltungen, welcher von Sozialhilfe betroffen ist. In Biel ist die Hälfte der Haushalte von Alleinerziehenden auf Sozialhilfe angewiesen. Dass diese Zahl in Biel vergleichsweise hoch ist, hat unter anderem mit der hohen Scheidungsquote zu tun. Zudem sind in Biel viele Mütter länger von Sozialhilfe abgängig. Die Direktion Soziales und Sicherheit hat deshalb in Partnerschaft mit «frac» das Projekt BIM – Berufliche Integration für (alleinerziehende) Mütter lanciert, konzeptionell ausgearbeitet und umgesetzt. Im Projekt BIM werden Frauen in kleinen Gruppen niederschwellig auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Während des Programms ist die Kinderbetreuung durch die Volkshochschule gewährleistet, was den Betroffenen die oft vorhandene Eintrittshürde aus dem Weg räumt. Die ersten von jährlich vier bis fünf geplanten Gruppen konnten diesen Januar starten, die Ergebnisse der ersten 23 Frauen, welche das Programm absolviert haben, ist vielversprechend. Nur eine der Frauen hat aus
gesundheitlichen Gründen abgebrochen. Bei allen anderen konnten berufsrelevante Anschlusslösungen gefunden werden. Sowohl die DSS wie auch die frac wollen deshalb dieses erfolgversprechende Programm weiterführen.

Einige Herausforderungen sind noch zu meistern: So fehlen Kinderbetreuungsplätze an Randzeiten und geeignete Praktikumsplätze in der Privatwirtschaft. Damit auch vermehrt Teilzeit-Praktika angetreten werden können, unterstützt die Abteilung Soziales die Wirtschaft aktiv und stellt eine enge Begleitung der Interessentinnen sicher. Damit kann der
Berufseinstieg gerade für Mütter massiv erleichtert werden. Noch gibt es also viel zu tun im Bereich der Integration – aber die ersten Schritte sind gemacht!

Weitere Auskünfte erteilen:

Beat Feurer
Direktor Soziales und Sicherheit
T: 032 326 12 11

Thomas Michel
Leiter Abteilung Soziales
T: 032 326 15 05

Andrea Frommherz
Leiterin frac – Informations- und Beratungszentrum
T: 032 325 38 20





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